Sicherheitsvorschriften
Die Sicherheitsvorschriften (Kapitel 4) aus der Arbeitshilfe 27.219 "Ausbildungsunterlagen Sturmgewehr 1990" der Schweizer Armee (Stand 01.01.2019) gelten beim Standschiessen.
Sicherheitserziehung (4.1)
Allgemeines
1 Eine Waffe schiesst nicht von selbst. Irgendein Umstand wie etwa das Betätigen des Abzuges oder das Aufschlagen des Kolbens usw. kann eine Schussabgabe auslösen. Die Waffen selbst sind "sicher"; gefährlich sind die fehlerhaften Manipulationen an der Waffe und der fahrlässige Umgang damit.
2 Die Sicherheit einer Waffe richtet sich also nach der Ausbildung des Schützen. Ist ihm während dieser Ausbildung eingeprägt worden, den Respekt vor der Waffe zu wahren und die vier Sicherheitsregeln zu befolgen, wird es keine Unfälle geben. Zwischenfälle sind möglich, nicht aber Unfälle.
3 Zwischenfälle oder Unfälle entstehen nicht nur im Schiessstand oder auf dem Schiessplatz, die Ursachen beginnen überall dort, wo mit einer Waffe hantiert wird. Die Sicherheitsregeln sind deshalb nicht nur beim Schiessen, sondern im täglichen Umgang mit der Waffe zu beachten bzw. anzuwenden.
4 Bei Rechtshändern nennt man die rechte Hand die starke (Schiesshand), die linke die schwache Hand. Bei Linkshändern ist die linke Hand die starke. Analog dazu wird auch das Bein und der Fuss bezeichnet.
Die vier Sicherheitsregeln (4.2)
Diese Regeln müssen dauernd wiederholt und angewandt werden. Sie lauten folgendermassen:
1. Alle Waffen sind immer als geladen zu betrachten!
Es gibt keine Ausnahme. Der Umgang mit Waffen ist konsequent und bedingungslos ernst zu nehmen. Die Unfälle ereignen sich immer mit vermeintlich ungeladenen Waffen;
2. Nie eine Waffe auf etwas richten, das man nicht treffen will!
Die meisten Schiessunfälle ereignen sich wegen der Nichteinhaltung dieser Regel. Wenn jemand diese Bestimmung verletzt und darauf aufmerksam gemacht wird, so antwortet er in der Regel "meine Waffe ist nicht geladen!" (Alle Waffen sind immer als geladen zu betrachten);
3. Solange die Visiervorrichtung nicht auf das Ziel gerichtet ist, ist der Zeigefinger ausserhalb des Abzugbügels zu halten!
Ein angeborener Reflex des Menschen ist es, in Stresssituationen die Hände zu verkrampfen. Die Kraft, die eine aufgeschreckte Person dabei ausübt, kann bis 20 kg betragen. Befindet sich der Zeigefinger am Abzugbügel (Abzugswiderstand 2,5 kg), kann dies eine ungewollte Schussabgabe auslösen. Ausserdem benötigt der Zielvorgang mehr Zeit, als mit dem Zeigefinger an den Abzug zu gelangen. Der Schütze verliert also keine Zeit und gewinnt dafür an Sicherheit;
4. Seines Zieles sicher sein!
Vor dem Schiessen ist das Ziel immer zu identifizieren. Der Schütze muss sich über die Konsequenzen bei Querschlägern, Fehlschüssen und beim Durchschlagen des Zieles im Klaren sein. Er ist für jeden abgegebenen Schuss verantwortlich.
Persönliche Sicherheitskontrolle "PSK" (4.3)
Jedes Sturmgewehr ist als geladen zu betrachten, bis sich der Benützer durch die Persönliche Sicherheitskontrolle (PSK) vom Gegenteil überzeugt hat.
Die «Persönliche Sicherheitskontrolle» (PSK) wird durchgeführt wenn:
- die Waffe aufgenommen wird;
- die Waffe abgelegt wird.
Vorgehen:
- Verschluss ca. 2 cm öffnen;
- Patronenlager kontrollieren (keine Patrone im Patronenlager);
- Magazin kontrollieren (keine Patronen im Magazin).
Verantwortung des Schützen (4.4)
Jeder Schütze ist für den Einsatz seines Sturmgewehrs verantwortlich. Er stellt das Feuer auch entgegen anders lautendem Befehl sofort ein, wenn er eine Gefährdung von Menschen und Tieren oder die Beschädigung von Material zu erkennen glaubt.
Vor jeder Schiessübung muss die Laufkontrolle durchgeführt werden. Einzelschiessende sind für die Laufkontrolle selbst verantwortlich.
Am Ende jeder Schiessübung ist eine Entladekontrolle durchzuführen. Einzelschiessende führen die Entladekontrolle selbst durch.
Zu Hause ist das Sturmgewehr in einem trockenen, sicheren und abschliessbaren Raum aufzubewahren. Die Sicherheit wird erhöht, wenn der Verschluss getrennt von der Waffe aufbewahrt wird.
Vor dem Betreten des Schiessstandes (4.5):
- Kolben aufgeklappt;
- Verschluss offen, gesichert, ohne Magazin.
- Patronenlager kontrollieren;
- Seriefeuersperre eingeschaltet (weisser Punkt sichtbar);
- Sicherheitshebel auf "S".
Im Schiessstand (4.6):
- ist das Sturmgewehr im Gewehrrechen abzustellen;
- darf das Sturmgewehr erst in der Schiessstellung geladen werden. Es muss vor dem Verlassen der Schiessstellung entladen sein;
- sind sämtliche Manipulationen nur in der Schiessstellung, mit der Waffe im Anschlag, durchzuführen.
- darf das Sturmgewehr erst in der Schiessstellung entsichert werden. Vor Verlassen der Schiessstellung ist es wieder zu sichern.
Während den Schiessübungen ist das Gehör mit einem Schalengehörschutzgerät zu schützen!
Beim Umstellen des Sicherungshebels darf nicht gleichzeitig auf den Abzug gedrückt werden, weil sonst ein Schuss ausgelöst werden könnte.
Nach dem Schiessen ist die Entladekontrolle durchzuführen.